..eines der schönsten Fachwerkhäuser
Es genügt nicht, festzustellen, das Deutsche Haus sei das prächtigste Fachwerkhaus Dinkelsbühls. Gestrenge Kunsthistoriker nannten es „eines der schönsten Fachwerkhäuser überhaupt“ oder urteilten: „Die Fassade gehört zu den größten Leistungen der deutschen Spätrenaissance“. Oft wird der stolze Giebelbau zwar aufmerksam von unten bis oben betrachtet, aber die Fülle von Zierrat verwirrt zunächst und hüllt sich zudem in zurückhaltende, beinahe düstere Farben. Um 1600 arbeiteten Bauleute, Schnitzer und Maler an der Vollendung des Hauses, das mit seinen profilierten Schwellen die Waagrechte stark betont. Dinkelsbühl, Hotel Deutsches Haus,
Über die ganze Hauswand breitet sich ein Netz, so kunstvoll und reich, dass man eher an Malerei als an Holzarbeit denken möchte. Gerade und geschwungene Linien laufen auseinander und berühren oder kreuzen sich. Die Ständer hat das Schnitzmesser so prägend bearbeitet, dass man Säulen zu sehen glaubt. Entlang der Schwellen laufen Stäbe und Schnüre. Quellfrische, übersprudelnde Phantasie! Und doch sind alle Ornamente ausgereift, zuchtvoll beherrscht im strengen Gleichmaß deutscher Renaissance.
Man müsste das Fernglas zu Hilfe nehmen, um die Kostbarkeit im einzelnen zu erspüren. Halbnackte Atlanten tragen die Pfosten mit starken Armen und steifen Nacken. Immer wieder anders hat sie der Künstler gestaltet. Er lässt sie kauern oder hockt sie, wie zum Stoß ansetzende Stemmer, in eine halbe Kniebeuge. Kraftgespannt stehen die Atlanten der zwei Fachwerkgeschosse, gelassen hingegen, mit verschränkten Armen, die Büstenträger (Hermen) des Giebels. Trotz solchen, aus antiker Zeit entlehnten Figurenschmucks schützt und behütet die Mutter Christi den Eingang des hohen Hauses, das einmal der geadelten Patrizierfamilie Drechsel gehörte. Die Wappen künden von ihrer Wohlhabenheit und ihrem Kunstsinn.
|